Beitrag
MOLO begrüßt „moveRLP“-Kampagne – fordert jedoch nachhaltige Finanzierung für einen zukunftsfähigen ÖPNV
von VDV Rheinland e.V. - D. Strauf
Der Dachverband MOLO – Mobilität und Logistik Rheinland-Pfalz e.V., in dem u. a. die privaten mittelständischen Omnibusunternehmen zusammengeschlossen sind und gemeinsam rund 77 Prozent der ÖPNV-Leistung im Land erbringen, begrüßt die neue Fachkräfte- und Mobilitätskampagne moveRLP des rheinland-pfälzischen Mobilitätsministeriums. Die Kampagne gibt wichtige Impulse zur Stärkung des Berufsbildes und zur Gewinnung neuer Mitarbeitender.
„Kampagnen wie moveRLP sind ein wertvoller Baustein, um Aufmerksamkeit für die vielfältigen Berufsbilder im ÖPNV zu schaffen. Das unterstützen wir ausdrücklich“, erklärt Guido Borning, Geschäftsführer von MOLO. „Doch kostenintensive Öffentlichkeitsarbeit ist nur die eine Seite – die andere Seite ist die Realität in den Unternehmen. Ohne eine auskömmliche, verlässliche und realitätsnahe Finanzierung des ÖPNV helfen auch die besten Kampagnen am Ende nicht, Personal dauerhaft zu gewinnen und zu halten.“
Ganzheitliche Finanzierung nötig: Kostensteigerungen müssen abgebildet werden
MOLO betont, dass Personalgewinnung und Tarifentwicklung untrennbar mit einer stabilen wirtschaftlichen Basis der Verkehrsunternehmen verbunden sind. Die mittelständischen Unternehmen, die seit Generationen den ÖPNV im Land zuverlässig und leistungsstark abbilden, brauchen finanzielle Sicherheit, um wettbewerbsfähige Löhne, moderne Arbeitsbedingungen und verlässliche Betriebsstrukturen anbieten zu können.
„Es reicht nicht, Personal zu bewerben – wir müssen sicherstellen, dass die Finanzierung des ÖPNV insgesamt so aufgestellt ist, dass Unternehmen steigende Kosten tragen können. Tarifsteigerungen, Energiepreise, Fahrzeugkosten: All das muss realistisch und dauerhaft in den Verkehrsverträgen abgebildet werden“, so Borning. „Eine ordentliche ÖPNV-Finanzierung muss bei den Verkehrsunternehmen ankommen – sonst bleibt die nachhaltige Personalgewinnung ein Lippenbekenntnis.“
Darüber hinaus betont MOLO, dass auch die Aufgabenträger, also die Kommunen, finanziell unterstützt werden müssen, da die kommunalen Haushalte angesichts steigender Kosten stark belastet sind.
Verkehrsverträge bilden Realität häufig nicht mehr ab
Viele bestehende Verkehrsverträge basieren auf Bundesindizes, die die tatsächliche Tarifentwicklung im Land nicht ausreichend widerspiegeln. Gleichzeitig greift der rheinland-pfälzische RRP-Index nur bei Neuvergaben – nicht aber für den Großteil der laufenden Verträge.
„Diese Lücke führt dazu, dass steigende Personalkosten in vielen laufenden Verträgen nicht refinanziert werden. Das belastet gerade mittelständische Unternehmen erheblich – obwohl sie die Hauptlast des ÖPNV im Land tragen“, erklärt Heiko Nagel, Geschäftsführer von MOLO.
„Wir brauchen dringend eine Lösung, die auch Bestandsverträge einbezieht. Nur so lassen sich faire Löhne und ein attraktives Berufsumfeld dauerhaft sicherstellen.“
77 Prozent der Verkehrsleistung – aber unzureichende Planungs- und Finanzierungssicherheit
Die privaten mittelständischen Omnibusunternehmen tragen mit 77 Prozent die überwiegende Verkehrsleistung im rheinland-pfälzischen ÖPNV. MOLO fordert daher eine stärkere Anerkennung dieser Rolle und eine langfristige finanzielle Absicherung.
„Der ÖPNV wird maßgeblich von mittelständischen Unternehmen getragen. Diese Unternehmen haben über Generationen hinweg hervorragende Arbeit geleistet und erbringen täglich zuverlässig ihre Leistung – das muss auch in Zukunft so bleiben. Wenn wir starke Arbeitgeber und ein attraktives Berufsfeld wollen, müssen diese Unternehmen wirtschaftlich stabil gehalten werden. Das erfordert eine Finanzierung, die dynamisch genug ist, um echte Kostenentwicklungen abzubilden – und eine Unterstützung der Kommunen, deren Haushalte ebenfalls stark belastet sind“, so Nagel und Borning.
Kampagne wichtig – strukturelle Reform unverzichtbar
MOLO sieht in moveRLP einen guten und notwendigen Impuls – betont jedoch, dass nachhaltige Personalgewinnung ein wirtschaftlich tragfähiges Gesamtsystem benötigt:
- realistische und auskömmliche Finanzierung aller Verkehrsverträge
- Abbildung tatsächlicher Kostenentwicklungen, insbesondere im Personalbereich
- faire, refinanzierte Tarifverträge
- langfristige Planungssicherheit für mittelständische Unternehmen
- angemessene finanzielle Ausstattung
- ganzheitliche, nicht nur öffentlichkeitswirksame Personalstrategie
„Wir begrüßen moveRLP ausdrücklich. Aber um die Zukunft des ÖPNV zu sichern, braucht es mehr als Kampagnen: Es braucht eine Finanzierung, die die Realität widerspiegelt. Nur dann bleibt der ÖPNV leistungsfähig – und nur dann können wir die Menschen gewinnen, die ihn Tag für Tag am Laufen halten“, betonen Borning und Nagel.
MOLO – Mobilität & Logistik Rheinland-Pfalz e.V. ist der Dachverband der rheinland-pfälzischen Verkehrs-, Transport- und Logistikbranche. Der Dachverband bündelt die Interessen der beiden Mitgliederverbände VDV Rheinland e.V. und VVRP Rheinhessen-Pfalz e.V., die wiederum ca. 1400 Unternehmen aus den Bereichen Güterkraftverkehr, Möbeltransport, Kraftomnibusverkehr und Taxi-Mietwagenverkehr vertreten.