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Sichere Beförderung älterer Menschen zu den Impfzentren: „Corona-Taxis“ stünden für Fahrten bereit!

von VDV Rheinland e.V. - A. Sartor

Die Taxi- und Mietwagenbranche untermauert ihr Angebot, Impfwillige für Fahrten zu den Impfzentren zu unterstützen.

Neben systemrelevanten Berufsgruppen wie das Krankenhaus- und Gesundheitspersonal oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen sollen vor allen Dingen Seniorinnen und Senioren priorisiert geimpft werden. Die 20 mobilen Impfteams in Rheinland-Pfalz haben seit dem 27. Dezember 2020 mit den Impfungen in Senioren- und Altenheimen begonnen. Seit gestern haben nunmehr auch die 31 Impfzentren in Rheinland-Pfalz ihre Arbeit aufgenommen und beginnen mit den Schutzimpfungen bei den über 80-Jährigen, die nicht in Senioren- oder Altenheimen leben.

Bei all diesen guten Nachrichten stellt sich für viele Senioren nunmehr allerdings die Frage: Wie komme ich zum Impfzentrum um mich impfen zu lassen? Der Dachverband des privaten Verkehrsgewerbes in Rheinland-Pfalz MOLO e.V. hatte auf dieses Problem bereits vor den Weihnachtsfeiertagen hingewiesen, und angeboten, über die angeschlossenen Taxi- und Mietwagenunternehmen „Corona-Taxis“ zu koordinieren, damit auch diejenigen, die aufgrund ihres Alters oder ihrer physischen Einschränkungen nicht mehr selbst die Impfzentren aufsuchen können, zuverlässigen Zugriff auf den Schutz durch die Impfung bekommen.

„Leider ist die Politik auf unser Angebot bislang nicht eingegangen! Im Gegenteil: Die politischen Entscheidungsträger denken aktuell über die abenteuerlichsten Möglichkeiten der Beförderung der Impflinge zu den Impfzentren nach, vergessen aber, die naheliegendste und bereits bestehende Logistik mit entsprechend vorhandenen Hygienekonzepten aus der täglichen Beförderung von kranken Menschen anzusprechen, die sofort und ohne Mehraufwand zur Personenbeförderung zur Verfügung steht!“, so die beiden Geschäftsführer von MOLO, Guido Borning und Heiko Nagel. Was den Dachverband hierbei maßlos ärgert, ist die Tatsache, dass bereits mehrfach die Unterstützung der ca. 800 Taxi- und Mietwagenunternehmen in Rheinland-Pfalz angeboten wurde.

Die Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler verweist aktuell diejenigen, die nach einer Fahrgelegenheit suchen, um in die oftmals 30 bis 40 km vom Wohnort entfernten Impfzentren zu kommen, konkret auf die Unterstützung von Nachbarn oder den Einsatz von Bürgerbussen. „Diese Aussage passt in das desolate Bild, das das Land Rheinland-Pfalz seit dem Impfstart abgibt“, lässt Heiko Nagel seinen Ärger freien Lauf. Die Kinder und Nachbarn der aktuell priorisiert zu impfenden über 80-Jährigen gingen in der Regel tagsüber ihrer Arbeit nach, oder sind selbst schon in einem Alter, in dem sie auf die Unterstützung anderer angewiesen, so dass dieser Vorschlag der Ministerien wohl nur vereinzelt zur Lösung des Problems beitragen könne. „Nunmehr Bürgerbusse zur Beförderung ins Spiel zu bringen mutet fast schon grotesk an, wenn man bedenkt, dass in diesen Fahrzeugen kein Mindestabstand gewahrt und die ehrenamtlichen Fahrer im Umgang mit Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen in keinster Weise „ausgebildet“ sind“, so Heiko Nagel. „Genau aus diesen Gründen sind deshalb aktuell die Fahrten der Bürgerbusse nahezu in ganz Rheinland-Pfalz eingestellt worden“, pflichtet ihm sein Kollege Borning bei und blendet hierbei auch nicht die logistischen Probleme und den logistischen Aufwand der Kommunen für die Organisation derartiger Fahrten aus. Außerdem würden die ehrenamtlichen Fahrer aufgrund ihres Alters in vielen Fällen zu den Risikogruppen zählen.

Die Verbandsvertreter haben kein Verständnis, weshalb die Politik nicht vorrangig daran denkt, auf bestehende Strukturen zurück zu greifen. Geschäftsführer Guido Borning betont: „Im Ergebnis sprechen wir hierbei von einer echten WIN-WIN Situation, denn der Taxi- und Mietwagenverkehr ist zum Erliegen gekommen. Unsere Betriebe werden zwar durch den Lockdown nicht direkt geschlossen, aber mit dem Lockdown und insbesondere der Schließung von Restaurants und Bars sowie dem gesamten kulturellen Leben, der Absage von Messen, Kongressen, dem Wegfall von Geschäftskreisen fallen unseren Mitgliedsunternehmen komplett die Kunden weg. Auf der anderen Seite sichert das Taxi- und der Mietwagengewerbe auch in der Krisenzeit die verlässliche Mobilität der Bevölkerung, auch und gerade für kranke, alte und in der Mobilität eingeschränkte Menschen. Das Taxi- und Mietwagengewerbe musste schon im Frühjahr je nach Region Umsatzeinbrüche zwischen 60 und 90 Prozent verkraften. Die Hilfsprogramme der Bundesregierung kommen bei den Unternehmen nicht an. Die Forderung des Gewerbes nach passgenauen Hilfen des Taxi- und Mietwagengewerbes durch die rheinland-pfälzische Politik werden sowohl vom Verkehrsminister Dr. Volkert Wissing als auch von der Ministerpräsidentin Malu Dreyer gänzlich ignoriert. Viele Unternehmen sind deshalb wirtschaftlich am Ende und in ihrer Existenz bedroht. Die Einbeziehung des Taxi- und Mietwagengewerbes bei der Beförderung älterer, mobilitätseingeschränkter Personen zu den Impfzentren könnte bewirken, dass eine gewisse Kompensation der massiven Umsatzausfälle eintritt.“

Sein Geschäftsführer Kollege Heiko Nagel ergänzt: „Die Fahrzeuge unserer Mitgliedsunternehmen erfüllen die hygienischen Bedingungen, die für Transport und Sicherheit sorgen können, alleine schon aus der täglichen Beförderung von kranken Menschen zu Dialyse-, Strahlen-, Chemotherapiebehandlungen. Die Abrechnung dieser Fahrten könnte, wie zum Beispiel bei den Fahrten von Asylbewerbern, über Fahrgutscheine unbürokratisch und schnell organisiert und durchgeführt werden. Der zu impfende Mensch bekäme zum Beispiel bei der Terminvergabe, wenn erforderlich, ein entsprechendes Dokument, das dann zur Abrechnung der Fahrtkosten benutzt werden könnte. Eine andere Form der Finanzierung könnte über die Krankenkassen erfolgen, indem eine genehmigungsfreie Übernahme der Fahrtkosten zu und von der Impfung nach ärztlicher Verordnung – ggf. des Impfzentrums – ermöglicht wird.“

„Unsere Vorschläge zeigen, dass es schnelle und unbürokratische Möglichkeiten gibt, wie sich zu Hause lebenden über 80-Jährigen schnell und sicher impfen lassen können. Den Aufbau neuer Impfzentren, worüber aktuell vorderpfälzische Kommunen nachdenken, in dem sie organisieren wollen, dass die Möglichkeit der Impfung in Turnhallen durch die mobilen Impftrupps geschaffen wird, bedarf es nicht.“, so Heiko Nagel als Reaktion auf die Diskussion in der Verbandsgemeinde seiner Wohnsitzgemeinde.    

Die Verbandsvertreter betonen, dass andere Bundesländer bereits auf das Modell des Corona-Taxis setzen würden. So bestünden in Berlin schon konkrete Konzepte der Senatsverwaltung für Gesundheit, die die Kosten trägt. Dort würden kostenlosen Taxifahrten aktuell für Menschen über 90 Jahre angeboten und über Coupons abgerechnet. „Schnörkellos und kurzfristig umsetzbar“, so die beiden Geschäftsführer abschließend.

 

 

MOLO – Mobilität & Logistik Rheinland-Pfalz e.V. ist der Dachverband der rheinland-pfälzischen Verkehrs-, Transport- und Logistikbranche. Der Dachverband bündelt die Interessen der beiden Mitgliederverbände VDV Rheinland e.V. und VVRP Rheinhessen-Pfalz e.V., die wiederum ca. 1400 Unternehmen aus den Bereichen Güterkraftverkehr, Möbeltransport, Kraftomnibusverkehr und Taxi-Mietwagenverkehr vertreten.

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